Die evangelische Religionslehre am WSG

Der evangelische Religionsunterricht am WSG soll den SchülerInnen elementare Kenntnisse der christlichen Religion vermitteln, ihr Selbstwertgefühl stärken, ethisches Handeln in religiöser Perspektive ermöglichen und eine Vorstellung der Bedeutung von Religion im Leben vermitteln. Der Unterricht orientiert sich dabei an der konkreten Lebenswirklichkeit der Schülerinnnen und Schüler. Anhand ihrer Alltagserfahrungen und der sie betreffenden Lebenssituation soll die Bedeutung des Evangeliums entfaltet und vergleichend mit anderen religiösen und philosophischen Erkenntnissen reflektiert werden. Dabei werden sowohl handlungsbezogene Lernformen wie auch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Lehrmeinungen, das Gespräch über religiöse Einsichten und Bedeutungen ermöglichen.

Auf der Ebene der individuellen Erfahrungen geht es um die Stärkung des Selbstwertgefühls der SchülerInnen, um die Auseinandersetzung zwischen eigenen Vorstellungen und denen anderer Menschen, Gruppierungen und Kulturen, um die Gefährdungen des Alltags, um das partnerschaftliche Zusammenleben und um die Auseinandersetzung mit verschiedenen Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens.Impressionen aus einem Schulheft

Ohne Kenntnisse der jüdisch-christlichen Tradition ist eine begründete Auseinandersetzung mit vielen religiösen und ethischen Fragen nicht möglich. So hat z.B. der Schöpfungsglaube konkrete Auswirkungen in Fragen von Ökologie und Technologie. Die Kenntnis des jüdischen und des christlichen Glaubens und ihrer Geschichte ist eine Voraussetzung für die Orientierung in vielen Feldern des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Der evang. Religionsunterricht im Gymnasium soll den SchülerInnen diese Kenntnisse vermitteln und in Bezug auf ihren privaten wie beruflichen Alltag entfalten.

Ethisches Handeln geschieht nicht aus sich heraus, sondern will bedacht und im Vergleich zu alternativen und auch konkurrierenden ethischen Urteilen begründet sein. Daher muss der evang. Religionsunterricht anhand konkreter Beispiele aus Wirtschaft und Gesellschaft zu ethisch begründeten Urteilen befähigen und zu verantworlichem Handeln ermutigen. Gesellschaftliche und religiöse Leitwerte wie Verantwortungsbewusstsein, Solidarität und Konfliktfähigkeit, aber auch der Umgang mit eigenem Fehlverhalten und gesellschaftlichen Fehlentwicklungen soll im evang. Religionsunterricht besprochen und eingeübt werden.

Persönliche Eindrücke eines Schülers zum evangelischen Religionsunterricht

Wer hat sich im Mathematikunterricht nicht schon gefragt: "Wozu braucht man das?", "Was hat man persönlich davon wenn ich weiß, dass, wenn man zwei bestimmte Flüssigkeiten zusammenmischt ein Knall ertönt?". Solche Zweifel machen deutlich, dass die Sinnfrage äußerst umfassend ist und überall gestellt werden kann. Im evangelischen Religionsunterricht am W.v.S.G steht sie im Mittelpunkt.

Hier ergibt sich die Möglichkeit, sich gemeinsam mit den Mitschülern den Sinnfragen zu stellen, sich mit Grundwerten auseinander zu setzen und der Spiritualität zu begegnen. Von grundlegender Bedeutung sind hierbei das Erfassen der Welt in ihren vielfältigen Aspekten, Fragen nach Hintergründen und Zusammenhängen, sowie die Besinnung auf Möglichkeiten und Grenzen des Erkennens. In unserem evangelischen Religionsunterricht kommen die Positionen der christlichen Kirchen zu den grundlegenden Fragen des Lebens ebenso zur Sprache wie diejenigen anderer Religionen, beispielsweise des Judentums und des Islam. Wir als Schüler setzen uns mit möglichen Antworten auf Sinnfragen auseinander und finden auf diese Weise zu einer eigenen Wertehaltung. Es soll uns darüber hinaus ermöglicht werden, religiöse Inhalte mit unseren eigenen Erfahrungen abzugleichen. Gedanken über Tod und Leben, Liebe und Hoffnung sowie Krieg und Frieden geben Klärung, was der christliche Glaube für den Einzelnen bedeuten kann und wie der Glaube im Leben eines Menschen Platz findet. Auf diese Art und Weise erhält der Schüler ein Stück "Halt" um dem stressigem Schulalltag bewältigen zu können. Mit den Jahren wächst auch der Anspruch des Faches evang. RU an die Schüler, so wird in den fünften und sechsten Klassen noch viel gemalt; in den siebten und achten Klassen beschäftigt man sich mit anderen Religionen; später mit ethischen Themen wie z.B. Abtreibung und Sucht, und in der Oberstufe dann mit dem Atheismus und der Anthropologie; aber bei all den Themen wird der Unterschied zu anderen Fächern deutlich:
Es wird bei uns im evang. RU kein stupides Auswendiglernen verlangt, sondern der Schüler wird zu Diskussionen mit den Mitschülern sowie dem Lehrer angeregt. Im W.v.S.G hat der evangelische Religionsunterricht seinen Platz, weil junge Menschen, kritisch und grundlegend mit den geistigen und religiösen Überlieferungen vertraut gemacht werden müssen, die die Kultur unseres Landes geprägt haben. Der evangelische Religionsunterricht leistet damit einen großen Beitrag zur Persönlichkeits- und vertieften Allgemeinbildung.

So ist der evangelische Religionsunterricht kein Eintrichtern von irgendwelchen Fakten, sondern eine wichtige Möglichkeit zur Selbstreflexion und Entfaltung der Persönlichkeit.