„Ich erfinde nicht, ich finde”

Der Schriftsteller Heiner Feldhoff im Gespräch mit der 10c

 

Eines Tages im April, als wir zur Abwechslung mal wieder persönlich in der Schule waren, lag ein Band mit Kürzestgeschichten auf unseren Pulten; klein, handlich mit festem Einband: „Becketts Hose”, lautete ihr Titel. Ihr Autor Heiner Feldhoff hatte uns, der 10c jedem ein handsigniertes Exemplar spendiert und sich zusätzlich noch für ein Autorengespräch zur Verfügung gestellt, das coronabedingt allerdings per Telefon und Lautsprecher stattfinden musste.

 

Feldhoff wurde 1945 in Westfalen geboren und wuchs in Duisburg auf. Nach einem Studium der Germanistik und Romanistik sowie sich anschließenden Jahren als Lehrer begann er in den 70er Jahren zunächst, Lyrik zu schreiben. Darüber hinaus hat er sich mit Biografien über die Philosophen Albert Camus, Paul Deussen und über den politischen Autor Henry David Thoreau einen Namen gemacht. Feldhoff wurde unter anderem mit dem Joseph-Breitbach-Preisdes Südwestfunks (heute: Georg-K.-Glaser-Preis) ausgezeichnet.

Die 2015 erschienenen Kürzestgeschichten „Becketts Hose” gehören zu Feldhoffs Spätwerk. Sie zeichnen sich durch Beobachtungen, Sprachspiele und einen ironisch-pointierten Zugang zur Wirklichkeit aus. So handelt die Titelgeschichte davon, wie Feldhoff im Urlaub einmal in Roussillon einen Bauern aufspürte, der Samuel Beckett, den Großmeister des absurden Theaters, im Zweiten Weltkrieg beherbergt hatte und noch 50 Jahre später eine Arbeitshose von ihm vorzeigen konnte. Feldhoff, selbst in einem Bekleidungsgeschäft groß geworden, nimmt diese Hose nun zum Ausgangspunkt eines ironischen Vergleichs zwischen Beckett und sich selbst.

Doch Dichter sind bei uns ja nicht so oft zu Gast und so hatten wir auch unabhängig von den einzelnen Geschichten viele Fragen an Herrn Feldhoff, die wir hier dokumentieren:

Herr Feldhoff, wie sind Sie Schriftsteller geworden?

Ich habe schon im Jugendalter begonnen, weil ich schon immer eine gewisse Beziehung zur Sprache hatte. Sie war ein Spielmaterial mit vielen Möglichkeiten: Reime, Humor, Ironie. Auch erzieherische Phrasendrescherei à la „solange du deine Füße unter meinen Tisch streckst” konnte man damit herrlich drehen und wenden, um so ihre Hohlheit entlarven. Meine Fertigkeiten testete ich zunächst mit Gelegenheitsgedichten für Hochzeiten und Familienfeiern. Später las ich die neuen Dichter der 70er Jahre und dachte mir: Das kann ich auch. Ich bin dann aber schnell wieder von den Mechanismen der Neuen Subjektivität abgekommen, weil mir klar war, dass das keinen Bestand haben wird.

Welche Rolle spielt die Fantasie?

Bei mir gibt es keine Anderswelt. Ich erfinde nicht, ich finde.

Was reizt Sie an Kürzestgeschichten als Gattung?

Der Blick auf die Wirklichkeit. Außerdem sind es ja gewissermaßen getarnte Gedichte: Die hohe Verdichtung, das Spiel mit den Bedeutungsebenen der Sprache, das Formbewusstsein - all das sind Elemente, die auf beide Gattungen zutreffen. Als Buch sind sie aber auch der Tatsache geschuldet, dass man sie heutzutage einfach leichter verlegt bekommt als Gedichtbände.

Wie gehen Sie beim Schreiben vor? Greift man in einen Werkzeugkasten, denkt man sich etwas aus oder lässt man sich etwas passieren?

Man darf nicht bürokratisch vorgehen. Manchmal ist es ganz banal. Die meisten Kürzestgeschichten sind entstanden, weil ich Mühe mit dem Einschlafen hatte. Es gingen mir dauernd Gedanken durch den Kopf. Die habe ich zunächst auf Blättern gesammelt. Von dort aus kamen sie in ein Notizbuch, aus dem schließlich ein Buch wurde. Mein allererstes Notizbuch habe ich in der S-Bahn liegen lassen. Es ist trotz aller Recherche nicht wieder aufgetaucht. Das hat mich derart gewurmt, dass ich hernach sehr viele Notizbücher mit neuen Aufzeichnungen gefüllt habe, als wollte ich diesen Verlust vergessen machen.

Welche Rolle spielt die Bildlichkeit der Geschichten? Ist sie der Ausgangspunkt?

Nein, eher ein Wort oder ein Detail, das ich dann im Kopf wende und sich entwickeln lasse.

Haben Sie ein persönliches Ziel als Schriftsteller?

Nun, ich möchte nicht als Missionar dastehen; ich will den Leser nicht „entführen” oder „fesseln”, sondern ihn mit meinen Kürzestgeschichten eher „befreien”, indem ich ihn vielleicht etwas zum Nachdenken bringe.

Warum schreiben Sie sonst noch?

Es ist zwar schön, dass sich Leser finden, die sich mit meinen Texten befassen, aber deswegen schreibe ich eigentlich nicht. Es ist der Spaß am Schreiben selbst, der für mich zählt. Natürlich möchte man seinen Ideen durch das Medium Buch auch etwas Ewigkeit verleihen.

Ich möchte euch dazu ermutigen, selbst zu schreiben. Vielleicht habt ihr euch ja schon einmal selbst an Tagebüchern oder ersten Gedichten versucht. Als ich noch Lehrer war, habe ich meine Schüler zum eigenen Schreiben von Geschichten und Texten angeregt. Da sind mal 50 schöne Erzählungen aus Schülerhand zusammengekommen, aus denen wir auch ein Buch gemacht haben.

 

Als Schlusspointe las Heiner Feldhoff für uns noch „Estragons Buxe”, eine Kürzestgeschichte über die Uraufführung von Becketts „Warten auf Godot”, bei der eine der Hauptfiguren am Schluss auf Becketts Anordnung die Hosen herunterlassen musste und damit eine ganz andere Reaktion hervorrief als erwartet: Stille.

Für uns, die Klasse 10c, war das Autorengespräch eine schöne Abwechslung. Das Schulleben hat sich wegen der Corona-Pandemie stark verändert. Ausflüge, Exkursionen etc. sind verboten, wodurch die Lehrer auch keine andere Wahl hatten, als mit dem Unterrichtsstoff fortzufahren. Das Telefonat mit Heiner Feldhoff war eine tolle Idee, die Schulstunde lebendig zu gestalten, auch zum eintönigen Distanzunterricht war es eine sehr willkommene Abwechslung. Viele von uns haben zum ersten Mal an einem Autorengespräch teilgenommen; diese Chance haben wir genutzt und es ist ein ausgezeichnetes Telefonat daraus geworden, bei dem jeder Schüler seine Fragen loswerden konnte. Ein großer Dank geht deshalb an Heiner Feldhoff für Buch und Besprechung. Bei unserem Deutschlehrer Herr Kicker, der das Telefonat arrangiert hat, möchten wir uns ebenfalls bedanken. Allan Nguyen-Dinh

 

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Mensa-Speiseplan

Woche vom 25.10. - 29.10.

Montag:

- Putengulasch mit Salzkartoffeln und Salat

-  Broccolinuggets mit Butterreis und Zitronen-Joghurtsauce

 

Dienstag:

- Cevapcici mit Ajvar und Djuvec Reis

- Rahmspinat mit Rahmkartoffeln

 

Mittwoch:

- Tortellini gefüllt mir Ricotta und Tomatensauce

- Mozzarellasticks mit Sour Cream und Pommes Frites

 

Donnerstag:

- Bratwurstschnecke (Pute) mit Sauce und Kartoffelpüree

- Kartoffeltaschen, gefüllt mit Frischkäse. Dazu Mischgemüse mit Asia Sauce

 

Freitag:

Kaiserschmarrn mit Apfelmus

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